DIE MÜHLE

Publié le par lichty lilly

                            DIE  MÜHLE

 

 

Von einer Mühle in Diedendorf ist schon im 30 jährigen Krieg die Rede. In seinem Buch über «Die Leiden der Evangelischen in der Grafschaft Saarwerden», spricht Pfarrer Matthis von der «zahlreichen Familie Müller», die zu jener Zeit, in unserem Dorf gelebt hat, und dann, durch die Kriegsereignisse, teils ausgewandert, teils ausgestorben war. Einige ihrer Mitglieder, “ Jakob Müller und Consorten“, hatten um 1640, die, bei der Ankunft der Kroaten verscharrte Glocke ausgegraben, und sie verkauft, um sich Brot zu verschaffen.

 

Zu dieser Familie gehörte auch der Meier Hans Jörg, der Müller in Diedendorf war. Im Jahr 1635, heiratet er in Bockenheim die Witwe  eines Nagelschmieds  und pachtet daselbst die abgebrannte Mühle, unter der Bedingung sie wieder aufzubauen.

 

Zur gleichen Zeit (1638-39) wird auch in den alten Kirchenbüchern Samuel Müller als Müller und Bäcker auf der Diedendorfer Mühle gennant.1634 heiratet er die Tochter des Stinzler Pfarrers Christoph Wolfram, mit dem der Finstingische Amtmann und Dichter Moscherosch befreundet war.

 

Es liegt nahe anzunehmen, dass diese beiden Müller Bruder waren. Jedoch wird Hans Jörgs Vater als „Wirt in der Herberg zu Bockenheim“ bezeichnet, während Samuels Vater Johann, Pfarrer in Meiningen /Franken ist.

 

Nach mündlicher Überlieferungen stand diese alte Mühle in den „Newetsmättle“, beim, Grossenberg“, dort wo die heute nicht mehr bestehende kleine Brücke über den Otterlachergraben führte. Der „Eselsweg“, der oberhalb von Hecks von der Dorfstrasse abbog, und auf dem die Esel die Getreide und Mehlsäcke hin-und-herschleppten, lief in gerader Linie den Buckel hinunter zur Mühle, und die Alten erinnern sich noch, dass früher der Grosseberg „Hans Jörgen Berg“ gennant wurde. Auch Mauerüberreste sollen bis anfangs unseres Jahrhunderts dort beim Bach noch sichtbar gewesen sein.

 

Die Mühle an der Saar wurde erst nach dem 30jährigen Krieg, wohl gegen Ende des 17. Jahrhunderts errichtet, als herrschaftlicher Besitz, der vom Grafen an einen „Beständer“ verpachtet wurde. Der erste als Müller bezeichnete Einwohner, der im Diedendorfer Kirchenbuch vorkommt, heisst Jacob Streiner oder Striener, verheiratet mit Susanna Rubi aus Goerlingen. Er ist vor 1710 gestorben, und Vorfahr der hiesigen Familie Bucher. Daraus geht hervor, dass bereits im 18.Jahrhundert, und obwohl auf dem Diedendorfer Bann gelegen, unsere Mühle, den Namen des bekannteren Dorfes Wolfskirchen trug.

 

Zur gleichen Zeit wird im Pisdorfer Register Johannes Schwartz, von Blassenheim im Elsass, als Müller in der Wolfskircher Mühle eingetragen. 1703 und 1704 werden ihm hier zwei Söhne geboren, und 1708 stirbt er in Diedendorf, im alter von 40 Jahren.

 

In Jean Schlumbergers „histoire du moulin de Wolfskirchen“, lesen wir, dass der erste Pachtvertrag 1705 mit dem Schweizer Peter Büchi geschlossen wurde, dessen Vater Müller in Burbach war.

Auf ihn folgt 1706, als „Erbbeständer“, Frantz Anton Moser, katholisch, geboren um 1682, verheiratet mit Elisabeth Girardin.

 

In der Tabelle von 1742, die die Einwohner unseres Dorfes und ihre Güter, sowie die herrschaftlichen Besitzungen aufzählt, erfahren wir folgendes : „in diesem Bann liegt eine herrschaftliche Mahl, Ohlig, Walck und Loh Mühle auf der Saar, die aber nicht banal ist und jährlich 46 Simmer halb Weizen, halb Moltzer zur Herrschaftlichen Renthey liefert, auch 35 Gulden 5 Schilling Renthengeld dahin bezahlt. Die Erbbestandsgüter bestehen in der Mühle und dazu gehörigen Gärten 2 ½ Morgen, 22 Ruthen Inhalt, sodann 7 ¾ Morgen, 31 Ruthen Erbbestands Matten. Der  zeitige Erbbeständer ist Anton Mosser.....

 

Sein Sohne Frantz Anton, verheiratet mit Agatha Bernauer, von deren Vater Jakob im katholischen Kirchenbuch von Wolfskirchen gesagt ist, er sei „Müller in der neuen Mühle“, ist zuerst Mahlmüller in Bockenheim, bevor er um 1744 die hiesige Mühle übernimmt. über ihn lesen wir in der „Geschichte der Stadt Saar-Union“ von Levy : “1743  kam Louis Charles de Lorraine, comte de Brionne nach Bockenheim, und vernahm, dass seine Mannschaft sich dem Trunk ergab. Zur Beseitigung dieses Lasters erliess er eine Tagesordnung, laut welcher den Wirten, und insbesondere dem Wirt und Müller Moser, der im Jahr zuvor gelegenheitlich der Kirmess und an den Sonntagen vom Ausgang der Vesper bis 9 Uhr Violine spielen und tanzen liess, verboten wurde, nach der Feierglocke dem Militär auszuschenken...“

 

Im Jahr 1757 wird Johann Adam Schneider Erbbeständer unserer Mühle. Sprössling einer uralten Müllerfamilie aus Weyer, ist er offensichtlich ein Nachkomme jenes Adam Schneider, der 1587 die Ischer Mühle gründete. Verheiratet mit Catharina Sins (Zens) ebenfalls aus Weyer, stirbt er als „alter Müller“, den 20 06 1777 in Diedendorf.

 

Die Pacht, die er zahlen muss, beläuft sich auf 80 Gulden current, 23 Simmer Weizen, 23 Simmer Moltzer, 1 Gulden Schwein und Gewürtzsteuer, 9 Gulden für zwei Brühl (Wiesen), 2 Gulden für einen Wassergarten, 5 Gulden für Mahl und Olichmühle. Das wird schon ein schönes Stück Geld gewesen sein.

 

Für 5 Generationen geht nun die Mühle vom Vater auf den Sohn über, und jeder dieser 5 Schneider heisst Johann Adam.

 

Der zweite heiratet 1763 Christine Stroh, der dritte 1793 Christine Schmidt, beide aus Wolfskirchen, und es muss dieser dritte Hans Adam gewesen sein, der die von der  Revolution als Nationalgut erklärte herrschaftliche Mühle dem Staat abkauft und als Eigentum erwirbt. Die „rente  emphythéotique“ jedoch, die darauf lastet, d.h. das Recht des ehemaligen Fürsten, einen jährlichen Zins zu beanspruchen, hat er nicht einlösen können, und diese Rente wird vom Consul Bonaparte, im Jahr 12 der Republik übertragen, und bleibt bis 1888 dessen Erben erhalten, denen also die Mühle einen jährlichen Zins auszahlen muss.

 

Der 4. Johann Adam Schneider (1794-1844) heiratet die Tochter des aus Wolfskirchen stammenden Pfarrers Johann Heinrich Quirin. Ihr einziger Sohn, der 5. und letzte Hans Adde (1832-1862) erwählt sich 1852 eine Gattin aus Diedendorf : Christine Bauer (1825-1895), Tochter des Hufschmieds Jakob Bauer und der Catharina Müller (aus Bärwels). Sie wohnt mit ihren Eltern im heutigen Kassenhaus ( CMDP).

 

Die Ehe bleibt kinderlos, und nach dem frühen Tod ihres Mannes, erwirbt die Wittwe, von den Erben des ehemaligen Diedendorf Maire und Napoleonsoffiziers Christian Tritz, das Haus, das wir Alten heute noch „Schneidersch“ nennen, obwohl keiner mehr weiss warum.

 

In ihrem Alter wird diese „Scneidersch Bäsel“ ihren Neffen Jacob Bauer aus Amerika zurückkommen lassen, um ihm ihr Vermögen zu vererben. Der Neffe war nämlich ausgewandert, weil seine Eltern in Pisdorf seine Heirat mit der Pfarrersmagd Gretel Scmidt aus Schillersdorf missbilligten, und deshalb ist der  Bauerschakob, den wir noch alle gut gekannt haben, 1884 in Mc Zena, im Staat Ohio geboren.

 

1867 verkauft die Wittwe die Mühle für 33000 F an die 7 Geschwister Schantz und Rogy. Diese sind Anabaptisten, kommen vom Haras bei Sarralbe, und scheinen die Mühle hoffnungslos heruntergewirtschaftet zu haben.Von Juli 1886 bis April 1887 sterben nacheinander Joseph, Madeleine und Jean Schantz, und im April 1888 wird der Grundbesitz von Ernest Schlumberger erworben, für ganze 105 Mark.

 

Dieser lächerlich niedrige Preis scheint ein Witz zu sein; doch die Gebäude waren anscheinend total verkommen, und ausserdem lastete die Rente emphythéotique immer noch darauf.

 

Es ist Nicolas Striffler, der Schlossherr, der diese Rente im Juni 1888 für 9600 Mark an sich bringt. Er war, sagt man uns, ein schlauer Fuchs, der sich, als ehemaliger Notariatsschreiber, gut auskannte im Geschäftemachen. Fast 20 Jahre lang wird er bei Ernst Schlumberger die Rente kassieren, bis er sie ihm endlich, im Jahr 190, für 15 750 Mark verkauft.

 

Von 1891 bis 1923 ist Gustav Trautmann, Schlumbergers Schwager, gérant und associé der Mühle. Dann zieht er sich nach Strasbourg zurück, wo er den 18.6.1942 in seiner Wohnung, 10 avenue des Vosges verstirbt.

 

Zu seiner Zeit bessas die Mühle noch das alte herrschaftliche Fischrecht in der Saar, von der Brücke bis zum Holzwinkel, und Henri Bucher, unser späterer Obermüller, war als junger Laufbursche beauftragt, abends die Netze einzuziehen. Wenn er dann in seinem Kahn die Saar heraufpaddelte, stand Trautmann auf der Brücke, über das Gelände gebeugt, um den Fang zu begutachten, und seine goldene Uhrkette glizerte auf seinem wohlgenährten Bauch. Er war ein vornehmer Herr, sehr stattlich und weltgewandt. Seinem Neffen und Nachfolger  hingegen, Jean Schlumberger, war nichts an gesellschaftlichem Prunk gelegen. Er war ein Einzelgänger, aber ganz gewiss eine interessante Persönlichkeit, obwohl er an Dinge glaubte, die wir Bauern kurzum mit dem Wort „Mumbitz“ abmachen.

 

Zum Schluss noch einige Daten:

 

1901 wird die Mühle durch Brand total eingeäschert

1906 wird die „Villa“, oder das „kleine Schloss“ gebaut. In früheren Zeiten stand da eine Schäferei. 1854 verkaufte die Schwester des 4. Hans Adam Schneider, Salomé, Ehefrau des Müllers Philipp Jacob Fichter wohnhaft in Pisdorf, das Gebäude an den Weinhändler und Wirt Christoph Gressel, der darin eine Streichhölzfabrik eröffnet. Unter seinen Angestellten gab es etwa 20 Kinder von 8-14 Jahren, aus Diedendorf, von denen er bei einer Inspektion behauptete, er stelle sie nur aus Mittleid ein, um sie nicht der Bettelei auszusetzen.

1869 kauft Johann Trautmann das grosse Haus an „Gressels Berg“ für 10 000 F. Es gibt davon noch eine schöne Photografie bei Willy Meyer, einem der Nachkommen Johann Trautmann, aus der Helleringer Müllerfamilie, verheiratet mit Caroline Frantz, einer der hiesigen 5 „Spielmannstöchter“, ist der Vorfahr der Familie Graff.

 

Auch dieses Gebäude wird schliesslich, samt Garten, im Jahr 1895 an Ernest Schlumberger verkauft, und später abgerissen, damit an seiner Stelle die Villa entstehen kann.

 

Gegenüber werden 1907-1908 drei Wohnhäuser für Angestellte der Mühle gebaut, die, später von den Familien Klett, Weber und Ballé erworben werden.

Das Haus des Direktors entsteht 1924 „hinten an der Mühle“. Da wohnte lange Jahre unser Freund André Pittet ; im Garten hatte Liselotte schmale, rechteckige Blumenbeete angelegt, die André die „Hünengraber „nannte.

 

Heute ist es einsam geworden da unten, wo einst so viele Diedendorfer eine fröhliche Arbeitsgemeinschaft bildeten, und allen, die diese Zeit gekannt haben, tut es von Herzen leid, dass die lange Geschichte der Mühle wie in dem traurigen Volkslied enden musste : “da ging das Rad nicht mehr...“

 

 

 

                                                         

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